Mein persönliches Reisetagebuch

29.09.2002
1.Tag

Ankunft per Direktflug mit Air Algerie und ziemlicher Verspätung in Tamanrasset gegen 18.45 Ortszeit. Überm Hoggar waren aus dem Flugzeug Gewitter zu erkennen. Nach Erledigung der Einreiseformalitäten Fahrt in der Dunkelheit im Toyota (mit Standlich!t) ins Camp. Wir beziehen einfache Schilfhütten mit Matratzen auf dem Boden. Danach Abendessen mit anschließender Tee Zeremonie im Tuareg Zelt. Klasse Tee mit Minzgeschmack. Erster und wie sich herausstellt einziger Sichtkontakt mit einem Skorpion. Gegen 24.00 Uhr krieche ich in meinen Schlafsack.


30.09.2002.
2. Tag

Schlecht geschlafen, wenn überhaupt. Zum Frühstück gibt's Kaffee wie in Frankreich mit Baguette und Streichkäse. Vormittags geht's nach Tam zur Bank, Geld wechseln. Am Eingang sitzt ein Polizist und kontrolliert. Die Bankkunden (ausser uns Touris) werden mittels Metallsuchgerät nach Waffen überprüft. Ich stelle es mir amüsant vor, das mal in einer deutschen Bank zu machen. Frisch mit Dinaren versorgt, strebe ich den Bazaren zu, um zunächst die zu Hause vergessene Zahnpasta einzukaufen und Ausschau nach kleinen Souvenirs zu halten. Anschließend noch ein kurzer Besuch im Bordj von Pater Foucauld.

Kurz nach 12.00 Uhr Aufbruch, raus aus dem quirligen Tam Richtung Assekrem. Im Hoggar erste Wolken aus denen tatsächlich 1 Gewitter mit ein paar Regentropfen wird. Ca.17.30 Uhr Ankuft auf der Passhöhe des Assekrem in 2580 m Höhe. Übernachtet wird zu 8 in einer Steinhütte. Das Abendessen besteht aus einer Suppe und einem Eintopf. Schmeckt vorzüglich. Mit unserem Koch Malik haben wir einen Glücksgriff getan.


01.10.2002
3. Tag

Nachts um 2.30 Uhr wegen Gewitter und starkem Regen aufgewacht. Soll keiner sagen in der Sahara regnets nie! Gegen 6.00 Uhr morgens auf den Assekrem gestiegen in der Hoffnung auf einen der legendären Sonnenaufgänge. Leider Pech gehabt, dafür starker kalter Wind und sehr diesig vom nächtlichen Gewitter.
Zurück zum Frühstück mit Kaffee, Tee, Baguette und Nußschleim, ähm Nutella, danach Rückfahrt nach Tam und Mittagsrast in der Nähe. Erstes Problem mit einem Auto, eine Bremse hat sich festgefressen. Dadurch eine Stunde längere Pause als geplant.
Schon wieder fallen Regentropfen als wir weiterfahren. Lagerplatz für die Nacht um ca. 18.00 Uhr erreicht (GPS 22.47.39 N; 5.54.28 E).Bis nach In Delek unserem eigentlichen Ziel haben wir es nicht geschafft. Erste Nacht im Freien ohne Zelt, ging ganz gut, habe bis 4.00 Uhr geschlafen und bin wegen kalten Fingern aufgewacht. Im Kurzwellenradio konnte ich immerhin SWR 3 finden, und mir so die Zeit bis die anderen aufstehen, vertreiben.


02.10.2002
4. Tag

Nach der sternklaren Nacht ziehen schon wieder Wolken auf. Weiterfahrt nach In Delek das wir ja gestern schon erreichen wollten. Am dortigen Brunnen frischen wir nochmals die Wasservorräte auf. Die dortigen Tuareg kommen auf uns zu und bitten um Hilfe wegen einem kranken Kind. Wir überlassen Ihnen ein Medikament.
Wir fahren durch das Oued In Delen mit Ziel Tin Tarabin. Unterwegs Landschaften wie ich sie von Süd-Namibia kenne. Wir erreichen die Talgabelung von Tibelegh-laghine-Tal und Tin Tarabin-Tal. Aufkommender frischer Wind. Auf der in unserer Fahrtrichtung rechts liegenden Talseite erreichen wir die Teufels-Gravur (GPS 22.09.22 N; 6.38.50 E). Wir fahren noch ca. 20 km weiter Richtung SO.
Auf der Suche nach einem Lagerplatz wollen wir auf die linke Seite des Tin Tarabin wechseln. Da das Oued vor kurzem geflossen ist, ist das Bett schlammig und mehrere Autos bleiben stecken. Mittels Stahlseilen bekommen wir sie heraus. Die uns seit einiger Zeit mit einigem Abstand begleitende Polizei beobachtet unser Tun. Ihre Präsenz wird uns durch einen bevorstehenden Wahltermin erklärt. Wir verschieben die Querung des Oueds auf morgen und bauen unser Lager bei Dunkelheit auf dieser Seite auf. Im Norden über dem Hoggar beobachten wir starkes Wetterleuchten.


03.10.2002
5.Tag

Gegen 2.00 Uhr morgens setzt Regen ein und hört erst nach 2,5 Stunden wieder auf. Ich muß ins Auto flüchten, wo es trocken ist. Die Tuaregs sagen sie hätten so ein Wetter in den letzten Jahren nicht erlebt! Nachdem Frühstück brechen wir auf nach Youf Ahakit. Es regnet schon wieder! Mit viel Schwung klappt die Überquerung des Oueds, wenn auch unter Schwierigkeiten. Keine 2-3 km weiter bleibt das führende Auto in einer engen Stelle hängen und kippt seitlich gegen einen Felsen. Die ganze Aktion hat auch noch einen Federbruch zur Folge.

Während der Autoreparatur machen die meisten sich auf die Gegend zu erkunden. Nach einem Anstieg eröffnet sich uns ein fantastischer Ausblick auf die Zinnen von Youf Ahakit. Mann, wäre das schön bei Sonnenschein. Wir fahren schließlich weiter und langsam weitet sich das Tin Tarabin zu einer Ebene. In der Ebene erreichen wir eine mehrere hundert Quadratmeter grosse Felsplatte, welche über und über mit Gravuren bedeckt ist. Mittagsrast an einem schönen Platz zwischen Dünen und Felsen. Das Essen ist wie bisher immer gut, zum Nachtisch gibts einen Obstsalat aus der Dose. Ich habe Kopfschmerzen und eine leichte Erkältung vermutlich von der Klimaanlage im Flugzeug. Weiter geht's nach Tahaggart. Unser Lagerplatz (GPS 21.52 N; 07.07 E) liegt auf einer Anhöhe und bietet einen super Ausblick auf die Burg und Schloss ähnlichen Felsformationen.

Nach dem Abendessen entsteht plötzlich eine dramatische Situation. Ein Fahrer ist mit Verdacht auf Blinddarmentzündung erkrankt. Wie sich herausstelt, haben wir mit Achim einen inkognito mitreisenden Arzt dabei. Es wird erwogen mit dem Kranken noch in der Nacht nach Tamanrasset aufzubrechen. Wir müßten dann aber 3 Tage am jetzigen Lagerplatz auf die Rückkehr von Achim und die Fahrer warten. Der ganze Reiseverlauf wäre dann umgeschmissen, was natürlich einige nicht gerade erfreut. Die Diskussionen ziehen sich bis Mitternacht hin, dann ist der Patient nach den eingenommenen Medikamenten eingeschlafen. Also warten wir den Morgen ab. In der Nacht kam Wind auf und ich werde im Schlafsack eingesandet. Wenig geschlafen.


04.10.2002
6.Tag

Dem Patienten scheint es besser zu gehen, jedenfalls sagt er es. Wir ziehen weiter Richtung Osten durch eine eher langweilige Landschaft. Erst gegen Mittag wird's wieder interessanter. Endlich die ganze Zeit blauer Himmel. Mittagsrast bei Isselen, danach weiter Richtung Erg Kilian, das wir aber nicht ganz erreichen. Die Tuaregs haben wieder einen sehr schönen Lagerplatz gefunden. Wir haben starken Wind. Wir "Freischläfer" können nur im Windschatten der Autos übernachten. Jetzt bewährt sich meine Arbeitsschutzbrille (beim Schlafen).

Lili stöhnt wieder unter heftigen Bauschmerzen. In der Nacht kann wegen dem Wind nicht gefahren werden. Wir entscheiden den Kranken morgen früh um 6.00 Uhr nach Djanet ins Krankenhaus zu bringen.


05.10.2002
7.Tag

Aufbruch um 7.00 Uhr. Lili fährt wieder sein Auto als wenn gestern Abend nichts gewesen wäre. Kurzer Halt bei den Dünen von Erg Kilian. Weiter Richtung SO und Ténéré. Mittagspause in den Monts Gautier. Wieder finden die Tuaregs einen super Platz. Fahrt nach Norden, mit kurzer Suche nach der Balise Berliet No. 21, zum Mount Tiska und in den Regen. Lili wird ins nicht allzuweite Djanet ins Krankenhaus geschickt. Es folgt die zweite scheiß Regennacht im Auto. Sahara Willi gräbt sich eine Grube unterm Auto und schläft dort. Irgendwann in der Nacht werde ich von Bakhai wegen zu lautem Schnarchen gerüttelt.


06.10.2002
8.Tag

Am Morgen endlose Diskussionen wegen Lili dem Fahrer, der kam nämlich aus Djanet zurück und zeigte stolz seine 3 Packungen Medikamente die gekriegt hat. Diagnose Nierenstein/ Nierenkolik oder so. 2 aus der Gruppe weigern sich mit Lili weiterzufahren. Wir kommen nach Djanet der Perle der Oasen. Die Vorräte werden aufgefrischt und ganz wichtig die erste Dusche seit zuhause genommen. Kurzer Bummel durch Djanet und dem Bazar, sowie ein Besuch in einem Café. Einige gönnen sich ein gegrilltes Hähnchen, soll aber nicht ganz so toll gewesen sein wie man hinterher hört. Um ca. 18.30 Uhr Aufbruch aus Djanet ohne Lili und mit neuem Fahrer. Lagerplatz außerhalb.


07.10.2002
9.Tag

Am Morgen Abfahrt in den Tadrart. Wir fahren auf der Akkakus Piste Richtung Tin Alkoum/Ghat Libyen. Die Landschaft ist sehr reizvoll und abwechslungsreich. Auf der linken Seite immer der Steilabbruch des Tassili N'Adjjer im Blick. Die Piste ist bis auf einige üble Teile in akzeptablem Zustand. Mittagsrast in einer malerischen Höhle. Dort treffen wir auf weitere Touristen, die aber den Ort kurz darauf verlassen. Der Nachmittag verläuft ereignislos, die Landschaft ist hier eher langweilig. Wir kommen an einem versandeten Brunnen vorbei. Unser Nachtlager schlagen wir in rötlichen Dünen mit Blick auf den Tadrart auf. (GPS 24.01 N; 10.38 E)


08.10.2002
10.Tag

Die vergangene Nacht habe ich einwandfrei geschlafen. Wir brechen bald auf zur Erkundung des Tadrart. Unsere Tuaregs führen uns durch tief eingeschnittene, verschlungene Täler zu verborgenen Felszeichnung und Malereien. Bei manchen lässt das Interesse daran schon merklich nach. Nach und nach bietet uns die Natur eine grandiose Szenerie mit rotem Sand und bizarren Felsformationen. Man meint ein Bildhauer wäre am Werk gewesen. Gegen Mittag erreichen wir Tamasgida, eine Felsformation die aus 2 hintereinander stehenden Bögen besteht. Wenige Kilometer weiter erhebt sich eine schwarze Felsnadel Mulanaga aus den Sanddünen. Der Nachmittag führt uns weiter durch diese Märchenlandschaft bis Tin Merzuga. Hier übernachten wir. Hier bekommen wir auch zum erstenmal einen richtig schönen Sonnenuntergang geboten, der die Dünen in sattes hellrot taucht.


09.10.2002
11.Tag

So viele Sternschnuppen wie in der vergangenen, mondlosen Nacht habe ich noch nicht gesehen. Überhaupt ist der Sternenhimmel für einen Mitteleuropärer eine Wucht. Heute erkunden wir weiter im Tadrart. Wir treffen auf Franzosen beim Erkunden der Gegend. Der Himmel hat sich wieder zugezogen. Daß es auch hier vor nicht allzu langer Zeit geregnet haben muß, erkennt man an den winzigen Blättern die im Sand spriesen. Gerade so als hätte man Salat gesät. Es fällt mir schwer die fantastische Landschaft mit Worten zu beschreiben. Spätnachmittags verlassen wir das Tadratgebirge wieder. Der heutige Lagerplatz ist unspektakulär.


10.10.2002
12.Tag

Wir fahren heute ins Alidema. Die Fahrt dorthin führt durch eine, gemessen an den 2 vorigen Tagen, trostlose mit Geröll übersäte Gegend. Außer einem großen Felsbogen bietet Alidema keine Highlights mehr. Ist auch kein Wunder bei dem was wir schon sahen. Nachmittags machen wir uns auf den Weg nach Djanet. Wir erreichen den geplanten Lagerplatz in den Dünen nahe Erg Admer erst in der Dämmerung. Die Tuareg haben eine komische Fahrweise im Sand. Heruntergeschaltet wird erst wenn der Motors fast abstirbt, kein Wunder wenn man sich dann einsandet.


11.10.2002
13.Tag

Morgens machen wir eine kurze Fahrt ins Erg Admer und schauen uns die weinenden Rinder an. Die Gruppe will anschließend unbedingt nochmal in Djanet duschen. Dafür müssen wir bei den Tuareg schwere Überzeugungsarbeit leisten, damit sie das ermöglichen. In Djanet treffen wir Lili wieder der sich uns wieder anschliesst. Nach der Dusche und der obligatorischen Pepsi fahren wir wieder raus und schlagen unser Lager am Fuss des Akba Aroum auf. Der Lagerplatz sagt mir nicht so zu. Mir sind da zuviele Felsen wo sich Schlangen und Skorpione aufhalten könnten. Am frühen Morgen noch in der Dunkelheit soll der Aufstieg ins Tassili N'Adjjer angegangen werden. In der Nacht fallen wieder einige Regentropfen. Ich bleibe im Freien und es kommt Gott sei Dank auch nur wenig Regen.


12.10.2002
14.Tag

Die Mehrzahl der Gruppe, begleitet von Führern, bricht ins Tassili auf. Nach einigen Rückfragen bei den Tuareg ob der Schwierigkeit des Weges, entscheide ich mich wegen meines lädierten Sprunggelenks unten zu bleiben. Ich vertreibe mir den Tag damit die nähere Gegend zu erkunden und den Tuareg bei der Demontage und dem anschließenden Zusammenbau eines Vergasers zu zuschauen. Also die können in der Wüste weitab von jeder Werkstatt einen Toyota komplett auseinander nehmen und wieder zusammenbauen. Alle Hochachtung. Den Abend verbringen wir singend und trommelnd mit den Tuareg. Unsere Sangeskünste erweisen sich deutlich schlechter als die der Einheimischen. Wir haben uns schön blamiert. Wir verschenken einige sinnvolle Dinge wie Medikamente o.ä. die wir nicht mehr brauchen. Teilweise werden auch konkrete Dinge gewünscht wie z.B. Augentropfen, was ich o.k. finde, denn was soll ich irgend einen Ramsch da lassen.


13.10.2002
15.Tag

Die vergangene Nacht haben wir in Sichtweite des Flughafens verbracht. Schon bald brechen wir zur kurzen Fahrt zum Flughafen auf. Hätten wir gewusst daß die Maschine noch gar nicht da ist und auch erst 4 Stunden später kommt, hätten wir uns Zeit lassen können. Es erfolgt ein herzlicher Abschied von unseren einheimischen Begleitern. Aus dem Flugzeug geniesse ich nochmals die Sicht auf die Sahara.


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